Nachruf auf Gerd Brandt

Gerd Brandt
Gerd Brandt in seinem Büro im Rathaus Langwedel, Foto: Wenck

„Brrrandt, Flecken Langwedel.“ Da war immer dieses rollenden R, wenn sich Gerd Brandt am Telefon gemeldet hat. Wenn man seine Nummer im Langwedeler Rathaus wählte, der Ordnungsamtsleiter nicht am Platz war, durfte man sicher sein: Der ruft zurück, wenn er deine Nummer sieht.

„Morgens immer einer der ersten und nach Feierabend auch immer erreichbar“, sagen sie im Langwedeler Rathaus über den Mann, der über die Stadt Verden 1978 als Bauamtsleiter zum Flecken Langwedel kam. 1990 übernahm er als Leiter das Ordnungsamt. Das Burgbad, die Feuerwehren im Flecken fielen in seinen Bereich und waren im nicht nur Aufgabe sondern ein echtes Anliegen.

Was unbedingt auch für sein Tun als Touristiker gilt. Schon als nebenamtlicher
Tourismusförderer setzte er alles daran, die Menschen davon zu überzeugen, dass
sie es nicht mit einem „Flecken Langweilig“ zu tun haben.„Das glaub man ja nicht.“

Gleich bei der Gründung des Touristikvereins war er als zweiter Vorsitzender dabei,
gab entscheidende Impulse. Brandt fuhr gern auf Messen und machte Werbung,
kam auf die Idee mit einem Langwedeler Bier, heckte die Kanu-Tour mit aus, sorgte für einen Anleger an der Weißen Brücke, organisierte die Kulturtage mit und und und.
Kreativ und engagiert ging er zu Werke, stand beizeiten wohl auch nicht ungern in der Öffentlichkeit, schrieb Artikel für den Heimatkalender, arbeitete die Geschichte der Autobahn auf.

Die Pfadfinder und deren Heim in der Hasenheide waren ihm ein großes Anliegen. Die meisten Langwedeler kannten Gerd Brandt und sie kannte ihn wegen vieler Begegnungen.
Vielleicht weil er sie als Standesbeamter getraut hat, vielleicht weil sie ihn bei einer seiner legendären Fundsachenversteigerungen erleben konnten – oder er in der Brut- und Setzzeit in Marsch und Wald kontrollierte, ob Hundebesitzer den Leinenzwang einhalten.

Gerd Brandt war ein Amtmann mit Leib und Seele, der auf eine eigene Art bei Konflikten vermittelte, einer der seine Arbeit liebte, mit Begeisterung bei der Sache war und wohl auch darum seine Amtszeit über das vorgeschriebenen Maß hinaus ausdehnte und länger
blieb.

Ganz große leuchtende Augen bekam er in den vergangenen Jahren, wenn er von Polen, seinem Ferienhaus, der Natur und ach, überhaupt allem erzählte. Da wurde der durchaus mit ordentlichem Humor ausgestattete aber eben norddeutsche Amtmann fast euphorisch.

In Polen, da wollte er in Zukunft, in zwei Monaten nach seiner Pensionierung gern öfter sein. Ausgerechnet bei seinem jüngsten Urlaub starb Gerd Brandt plötzlich und unerwartet in Danzig im Alter von 65 Jahren.

Dieser Nachruf von Jens Wenck erschien in der Verdener-Aller-Zeitung. Wir danken der Verdener Aller-Zeitung/Mediengruppe Kreiszeitung, dass sie ihn uns zur Verfügung gestellt hat.

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